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An einem warmen Nachmittag im Juli, ich war gerade erst aus Norwegen zurück nach Deutschland gezogen, saß ich in meinem bequemen Sessel, genoss die Wärme und den Ausblick aus dem Balkonfenster meines Wohnzimmers. Ich schaute auf den kleinen Park vor unserem Haus und das dahinter liegende Altenwohnheim.
Da fiel mein Blick auf einen alten Mann. Er lief  mit wackeligen Schritten auf dem Balkon seines Wohnheimzimmers auf und ab. Das Balkongeländer nutzte er als Halt, während er mit kleinen Schritten aber mit festem Willen seinen Weg ging. einen Schritt nach dem anderen, von einer Seite des Balkons zur anderen. Manchmal legte er eine Pause ein, überblickte die Umgebung und sammelte Kraft für weitere Schritte. Eine ganze Weile sah ich ihm zu, und es überfiel mich ein erschreckender Gedanke: er erinnerte mich an ein Tier im Käfig eines Zoos. Nicht aufgeben, sich weiter bewegen, auch wenn die Chancen, diesen Ort lebendig zu verlassen, nur gering sind.
Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken ob dieser Ausweglosigkeit. Was allerdings bald danach folgte, war ein überwältigendes Gefühl der Dankbarkeit und Erkenntnis.
Ich hatte mich oft miserabel gefühlt seit ich meinen sicheren und gut bezahlten Job im Finanzwesen eines multinationalen Unternehmens gekündigt hatte, um ganz neu zu starten. Der ursprüngliche Enthusiasmus und die Aufregung des „Auf zu neuen Ufern“ war verflogen und wurde ersetzt durch Angst und Agonie. Also saß ich in meinem Sessel mit diesen zwiespältigen Gefühlen, über vergangene Entscheidungen nachdenkend und verängstigt darüber, was die Zukunft wohl bringen würde. Bis ich den alten Herren auf seinem Balkon sah. Was für eine großartige Erinnerung daran, dass das Leben genau jetzt stattfindet! Genau jetzt, nicht gestern und auch nicht morgen. Und egal wie einschüchternd, beängstigend und unberechenbar das Leben sein kann, es will gelebt werden. Moment für Moment, Schritt für Schritt, mit Rückschlägen, Scheitern und Zeiten von Zweifel und Verzweiflung.
Und wenn es an der Zeit ist, dass wir auf dem Balkon eines Altenheimes unsere Schritte gehen, so sollten wir sagen können, wir haben unser Leben tatsächlich gelebt.
Das bedeutet, auch manchmal Unsicherheit und Angst annehmen sowie Missbilligung und Kritik unserer Mitmenschen aushalten zu können. Wie unglaublich hoch wird die Belohnung dafür sein! Denn was wäre, wenn der Mann auf dem Balkon nicht wie ein gefangenes Tier auf seinen Tod wartet, sondern einfach nur die Aussicht auf den grünen Park und die warme Sommerbrise genießt, während er auf den sonntäglichen Besuch seiner Enkel wartet damit er ihnen von seinen erlebten Abenteuern, Missgeschicken, Liebesgeschichten und Erfolgen berichten kann?
Aber wie können wir es schaffen mehr im Moment zu leben, anstatt uns über Vergangenes zu ärgern, oder Angst vor dem zu haben was die Zukunft vielleicht mit sich bringt? Einer der Schlüssel zum Erfolg könnte sein, unsere negativen Gedanken zuzulassen, und sie nicht ständig zu beklagen oder gar zu bekämpfen. Auf diese Weise erlauben wir ihnen nicht uns zu lähmen. Somit öffnet sich ein Raum, in dem wir entscheiden können, wie wir auf diese Gedanken reagieren. Das können wir erlernen und erreichen. Und vielleicht hilft es auch, darüber nachzudenken wie wir, wenn es soweit ist, unsere Zeit auf diesem Altenheimbalkon verbringen wollen…wir müssen uns nicht wie gefangene Tiere im Käfig fühlen, wir alle können Geschichtenerzähler sein!

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